22.02.2018

Danke, für diesen Beweis

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Ich möchte euch gerne von einer Begegnung erzählen. Eher einem Zeitraum der mir etwas bewiesen hat. Mir wurde bewiesen, dass ich etwas kann, ohne je zuvor die Absicht gehabt zu haben, es zu lernen, damit ich es kann. Ohne je eine Schule oder eine Universität besucht zu haben, damit ich es lerne und es danach kann.

Denn es gibt Momente im Leben, wo man glaubt nutzlos zu sein, nichts zu können. Und dann baucht man nur einen Beweis.

Begonnen hat alles damit, dass ich nach Abbruch meines Studium, wieder nach Hause gezogen bin und dort fast explodiert bin. Vor Unruhe. Ich wollte etwas machen, etwas sinnvolles tun, etwas arbeiten. Und so habe ich mich in einem Geschäft einer bekannten Sportmarke als Aushilfe beworben. Die einzigen Infos, die ich den Angestellten dort geben konnte waren, ich habe noch nie zuvor im Einzelhandel gearbeitet, habe Abitur, aber mein duales Studium abgebrochen. Zudem habe ich mich ab und zu mal in ein paar Gruppen an meiner Schule ein bisschen ausprobiert und bin sogar etwas outdooraffin in Form von Klettern, Wandern und Skifahren.

"Du scheinst mir ganz quirlig und nett zu sein. Komm doch mal morgen wieder, da ist der Chef da, dann kann der sich auch nochmal ein Bild von dir machen."

Bum... stehe ich Anfang September in der Filiale als "die Neue". Begründung wieso ich genommen wurde: Quirligkeit, nett, aufgeschlossen und anscheinend auch nicht auf den Kopf gefallen.

Cool, dachte ich mir. Hat ja alles schonmal gut geklappt. Doch das Lernen von Materialien, Funktionen und Co. ist echt eine Wissenschaft für sich. Ich wurde gewarnt vor dem einen Kollegen, der immer ein bisschen sehr hohe Ansprüche an die Neuen hat. Habe statt einem Hallo von ihm, auch erstmal gesagt bekommen, dass wir fünf Minuten vor Arbeitsbeginn schon am Arbeitsplatz sein sollen. Mir ging in diesem Moment nur ein böses Schimpfwort durch den Kopf, dass ich am liebsten auch laut ausgesprochen hätte, aber naja.

Die Zeit ging so vor sich hin. Neben dem Job, habe ich auch noch so halbherzig versucht mich irgendwie in einer Uni und einem Studiengang zurechtzufinden die und den ich nicht mochte. Zuhause wurde ich ständig mit Fragen von allen Seiten zugelöchert, was ich jetzt machen will usw. Die kleine Filiale inmitten einer riesigen Innenstadt entwickelte sich zu meinem kleinen Zufluchtsort. Weg von allen Fragen, weg von allen Unsicherheiten. In der Vorweihnachtszeit ist zudem auch noch so viel los, dass man auch an nichts anderes mehr denken kann, als an Fragen, ob das dieser und jener Person passen könnte, ob das Daune ist, ob ob ob.

Und mittendrin ich, die in ein Team hineinwuchs, was schon lange perfekt funktionierte. Wir lachten wegen komischer Kunden, wir rätselten wo der Artikel hin verschwunden ist, wir hielten uns gegenseitig davon ab Kunden umzubringen, die so unfreundlich waren, dass es schon unterirdisch ist. Und dieses Team wurde irgendwie zu meinen Freunden, denen ich auch mal sagen konnte wenn es mir richtig scheiße ging und die auch sofort merkten, wenn etwas nicht stimmt, die einen dann auch wieder aufheitern.

Und dann kam das Angebot ob ich nicht Vollzeit arbeiten möchte. Ich hätte in der Vorweihnachtszeit teilweise die höchsten Umsätze erzielt und gezeigt, dass ich in stressigen Situationen schnell reagieren kann, für den End-of-Season-Sale wäre ich noch eine ideale Hilfe.

Ich habe etwas bewiesen. Mir. Dass ich etwas kann, dass ich alles kann, was ich können will und dass das alles mit nur wenig Einsatz zu verwirklichen ist. Sich Vertrauen und Respekt erarbeiten.

Deshalb will ich auch hier Danke sagen, an meine lieben Kollegen, die am Anfang vielleicht auch etwas harsch waren, aber das war gut. Ihr habt mir eine Chance gegeben. Habt mir den Beweis geschenkt, den ich brauchte und mir Mut gegeben, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. 

Kommentare:

  1. Wie gut ich das Gefühl kenne, wenn man es satt hat, dass man andauernd von allen Seiten gefragt wird was man machen will und ob man schon Pläne hat.
    Ich wünsche dir viel Glück für die Zukunft. :)

    LG Pierre von Milk&Sugar

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  2. Das ist doch schön, wenn du so über dich hinauswachsen konntest! :) Mach weiter so. :)

    Liebst Elisabeth-Amalie von Im Blick zurück entstehen die Dinge

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  3. Ein so toller Beitrag :)
    Es ist wirklich schön zu hören, dass du dich entwickeln skonntest und so viel Anerkennung von deinen Kollegen bekommen hast. Es zeigt auch, wenn man an sich glaubt, kann man vieles erreichen.
    Wünsche dir noch einen tollen Tag!
    xx Katha
    showthestyle.blogspot.com

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  4. EIn sehr schöner Beitrag! Das freut mich sehr für dich!
    Liebe Grüße
    Sarah

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  5. Der Beitrag ist wirklich toll. Ich stecke momentan in einer ähnlichen Situation und kann deine Lage so gut verstehen. Es freut mich so sehr für dich, dass du etwas gefunden hast was dir Spaß machst und wo du auch voll aufgehst. Manchmal ist es schwierig etwas aufzugeben und einen neuen Weg zu gehen. Aber solange man einen Weg geht und nicht stehen bleibt macht man alles richtig.

    Ich bin schon auf deine neuen Beiträge gespannt. Du hast einen wirklich schönen und ehrlichen Blog. :)

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  6. Ich finde diesen Abschnitt im Leben momentan auch super schwierig, man weiß eigentlich nicht so wirklich was genau man machen will und wo man da am besten Anfangen soll. :-D

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