12.10.2017

Was ich diesen Sommer über das Leben gelernt habe

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Es gibt ja diese Tradition in den USA. Viele Kinder, Teens oder auch junge Erwachsene schreiben sich eine Bucket List für den Sommer, sprich was sie erlebt und erledigt haben möchten über die Sommerferien. Meist sind dort Erlebnisse wie "Eine riesige Poolparty veranstalten" oder "Einen Roadtrip machen" aufgelistet, aber es stehen dort auch sehr süße To-Dos drauf, wie, "Meinen ersten Kuss erleben". Ich finde solche Bucket Listen irgendwie schön. Sie zeigen in einer gewissen Weise die tiefsten Wünsche und Gefühle eines Menschen. Es stehen meistens Erledigungen drauf, an die man sich sein Leben lang erinnern möchte, an die man vielleicht auch nach 10 Jahren denkt und darüber lacht, was man sich eigentlich damals dabei gedacht hat.

Ich hatte keine Bucket List diesen Sommer. Anfang dieses Jahres hatte ich auch eigentlich ganz anderes diesen Sommer vor. Insgeheim hat ja sowieso denke ich jeder das Vorhaben, einen schönen Sommer zu haben, sich zu erholen und die Sonne zu genießen, aber irgendwie hatte ich selbst das nicht im Kopf.

Dezember 2015 habe ich die Zusage zu einem dualen Studium im Bereich Mechatronik bekommen. Für mich ist in gewisser Weise ein Traum in Erfüllung gegangen, obwohl ich nach meinem Abitur, was ich wenige Monate vorher bestanden habe, keine Ahnung hatte, wo ich in meinem Leben hin möchte. In den wenigen Monaten zwischen diesen beiden Daten, hatte ich alle erdenklichen Berufsbilder abgeklappert und bin irgendwie dann bei den Ingenieurwissenschaften hängen geblieben. Sie haben mich total beeindruckt. In der folgenden Zeit nach der Zusage bis September 2016, machte ich Praktika und bereitete mich auf das Studium vor. Ich war unglaublich aufgeregt und konnte den ersten Tag kaum erwarten. Die ersten drei Monate im Praxismodul waren auch wie ich es mir erhofft hatte, doch der neue Wohnort hat auch schon da angefangen an mir zu nagen. Während der Theoriephase an der Uni kam dann die Ernüchterung. Ich stellte fest, wie umfangreich alles war und wie stark im Verzug ich im Gegensatz zu anderen Studenten war. Mai diesen Jahres habe ich mich nur noch wie ein gejagte kranke Maus gefühlt. Über den Zeitraum des Studiums habe ich unbewusst jeglichen Kontakt zu Freunde aus der Heimat abgebrochen. Ich habe aufgehört meinen Hobbys nachzugehen. Ich habe keinen Sport mehr getrieben. Ich habe nur noch geweint. Und für mich waren das die klarsten Anzeichen, die Reißleine zu ziehen. Danach habe ich mich nur noch geschämt und abgekapselt. Meinen Geburtstag habe ich alleine verbracht, bin nur mit meinen Eltern was Essen gegangen. Ich habe meine Wohnung leer geräumt und bin wieder nach Hause gezogen.

Der Lichtblick kam durch ein Gespräch unter Kollegen. Ich erfuhr von einer Coaching-Agentur, die Abiturienten, Studienabbrechern und Unentschlossenen helfen möchte, den richtigen Weg für sich zu finden. Nach zwei Telefonaten und mehrwöchiger Wartezeit, saß ich in Düsseldorf in einem sehr großem Zimmer zwei Menschen gegenüber, die ich nicht kenne und denen ich jetzt so gut wie mein ganzes Leben erzählen soll. Ich erzählte von meinen Gefühlen, meinen Intentionen, meinen Hoffnungen und meinen Wünschen. Sachen die ich vielleicht sonst nie jemandem so erzählt hätte, weil ich mich zutiefst darüber geschämt habe. Ich bezeichnete das letzte halbe Jahr als "gescheitert", doch die beiden Coaches sahen diese Aussage als komplett falsch an. Ich solle diese Erfahrung als mein Recht und Privileg des Erwachsenwerdens anerkennen, da Ausprobieren und Ausprobiertes wieder zu verwerfen dazu gehöre. Zum Schluss konnte ich für mich erkennen, dass in Fall meines Studiums bestimmte Aspekte einfach noch nicht gut miteinander arbeiten wollten. Ich habe gemerkt und gelernt, mehr Nachsicht mit mir zu üben und solche Erfahrungen als Lernprozess zu sehen. 

Nach diesem Gespräch, welches sich über einen ganzen Tag gezogen hatte und wo ich auch mal den Tränen nah stand, hat es bei mir Klick gemacht. Ich habe an diesem Tag so viel über mich selbst gelernt, wie in meiner ganzen Lebenszeit nicht. Ich habe jetzt wieder Hoffnung und Mut. Ich schäme mich auch nicht mehr für mein beendetes Studium. Ich weiß, es ist absolut nichts falsches dran.

Alles in allem war meine erste Studienerfahrung die Hölle, aber auch die beste Erfahrung die ich erleben durfte. Für den nächsten Sommer erstelle ich eine Bucket List mit dem To-Do "Vergiss nicht zu leben!".

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Kommentare:

  1. Hallo meine Liebe!

    Ich finde es unglaublich mutig von dir, dass du dein Studium abgebrochen hast, was letztendlich auch wirklich die beste Entscheidung war. Leben sollte immer an erster Stelle stehen. Denn was bringt einem ein Studium, Job etc. in dem man nicht glücklich wird und letztendlich alles um einen herum vernachlässigt?
    Mich freut es, dass es dir nun besser geht! :-)

    Liebe Grüße!
    Anna :-)
    https://wwwannablogde.blogspot.de

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  2. Hallo liebe Josie!
    Du bist so so mutig! Und stark! Du hast ganz sicher die richtige Entscheidung getroffen. Und es ist definitiv kein Scheitern, sondern ein Erkennen, dass dir etwas nicht gut tut. Und darauf kannst ud stolz sein :) Ich finde es auch toll, dass du dir dazu noch professionellere Hilfe geholt hast. Die können einen ganz bestimmt noch mal eine ganz neue Perspektive aufzeigen!
    Bleib weiter so stark und probier dich durch - du wirst ganz sicher das richtige für dich finden!

    Ich wünsche Dir einen gemütlichen Restdonnerstag und morgen einen tollen Start ins Wochenende!
    Liebste Grüße an Dich! ♥ Saskia von Dem Wind entgegen

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  3. Hallo,
    was für ein bereichernder und toller Post!
    Du hast sehr viel Mut bewiesen dein Studium abzubrechen und kannst deswegen auch stolz auf dich sein.
    Ich bin froh, dass es dir nun besser geht und wünsche dir auch weiterhin alles Gute. :-)

    Alles Liebe,
    Lara
    www.likethewayidoit.de

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  4. Ich finde es toll dass du auf deine Intuition gehört hast! <3 Ich wünsche dir alles gut.. und ich hatte dieses Jahr auch keine Bucket List.. nächsten Sommer wird das nachgeholt. :)
    Alles Liebe, Lea von http://leachristind.blogspot.com

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  5. Ich finde Bucket Listen auch unglaublich toll. Trotzdem habe ich irgendwie noch nie eine eigene gemacht... Deine Entscheidung, dass du das Studium abgebrochen hast, hört sich erst mal fatal an. Ich finde sie gut! Wenn einem etwas keinen Spaß macht oder es sonstige negative Dinge daran gibt, sollte man es aufhören und neues beginnen! Viel Erfolg jetzt :)

    Liebe Grüße
    Kim :)
    https://softandlovelyx.blogspot.de/

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  6. Ein super schöner Beitrag! Ich kann dich vollkommen verstehen, denn ich war vor zwei Jahren in einer ähnlichen Situation, d.h. ich war unzufrieden mit meinem Studium und habe auch gedacht, nach zwei Semestern: Du hast ein ganzes Jahr verplempert. Aber soll ich ehrlich sein? Ich habe gelernt, was mir Spaß macht und wie ich nicht leben möchte. Somit ist es kein verlorenes Jahr ;)
    Auch, wenn ich jetzt von Freunden höre, dass die Person X schon so lange studiert und dann doch nicht die letzte Prüfung bestanden hat und sie dann sagen: Das sind ja verlorene Jahre. Ganz ehrlich? Über die Jahre hinweg hat die Person auch etwas gelernt und nicht nichts getan, aber das wird oft vergessen :)
    Trotzdem gefällt mir dein Beitrag sehr!

    Weißt du denn, wie es für dich weiter geht?
    Liebe Grüße und ich wünsche dir einen schönen Abend!
    magdaeva von https://lifestylemeetsmagdaeva.blogspot.de/

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    1. Da bin ich ganz deiner Meinung! Man verplempert nie Zeit im Leben, solange man versucht neues zu lernen. Sowas darf man sich nie einreden lassen :)

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  7. Danke, dass du diesen unglaublich privaten Moment mit uns geteilt hast. Garantiert wird das für viele als Inspiration dienen, sich auch auf die Reise zu machen.

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